In: Stad
5 jan 2011Warum fahren viele, wenn nicht die meisten Bürger in Städten wie Freiburg, Zürich, Amsterdam, Kopenhagen oder Stockholm und vielen anderen europäischen Städten, das ganze Jahr über Fahrrad? Weil es dort nie schneit und weil es so viel Spaß macht, im Freien unterwegs zu sein und man sich so am Besten die schöne grüne Landschaft ansehen kann? Wohl kaum. Sie benutzen das Fahrrad weil man damit schneller ankommt als mit dem Auto und man keine Parkplatzprobleme hat. Und besser für unsere gemeinsame Umwelt und die eigene Gesundheit ist es sowieso!
Aber um auch wirklich schneller voranzukommen, als die meist im Stau stehenden Autos bedarf es allerdings eines, die ganze Stadt umfassenden Fahrradpistennetzes, das bei allen Jahreszeiten befahrbar ist, so wie dies in anderen europäischen Städten selbstverständlich der Fall ist. Nur in Luxemburg-Stadt kriegen unsere blau-grünen Schönwetter-Politiker es über Wochen nicht hin, die Fahrradwege von Schnee und Eis befreien zu lassen!
Dass die derzeitigen Verantwortlichen der Stadt Luxemburg es wohl nicht so ernst meinen mit dieser Form der „mobilité douce“, einem Lieblingsausdruck des blau-grünen Schöffenrats, zeigt sich dieser Tage, nach dem großen Schnee von Dezember (obwohl die Schnee und Eismengen bereits wieder ziemlich schnell abnehmen). Alle Strassen sind gut befahrbar, und auch die Bürgersteige sind zumeist wieder frei und begehbar. Nur die Fahrrad-Pisten sind noch fast alle mit Schnee und/oder Eis bedeckt (siehe z.B. Bvd Joseph II., Bvd Roosevelt), so dass man auch jetzt noch kaum gefahrlos auf das Fahrrad zurückgreifen kann. Auch die Fahrrad-Pisten in den hauptstädtischen Parks, die einen großen Teil der Attraktivität des Fahrrads als Verkehrsmittel im Zentrum von Luxemburg ausmachen, sind noch fast alle mit Eis bedeckt. An manchen Stellen wurden die Fahrrad-Pisten gar als Ablageplatz für den von der Strasse weg geschaufelten Schnee benutzt.
Die Stater Sozialisten sind der Meinung, dass der Rückgriff auf das Fahrrad zu jeder Jahreszeit möglich sein sollte und sich die Verkehrspolitik der Stadt Luxemburg nicht auf ein Schönwetterkonzept beschränken darf. Deshalb forderen die Stater Sozialisten den Schöffenrat auf die Säuberung der Fahrrad-Pisten schnellstmöglich zu veranlassen.
In einer Großstadt darf das Fahrrad nicht nur bloßes Schönwetter-Vergnügen sein: Wer das Fahrrad als Mittel der Transportpolitik ernst nimmt, muss auch dafür sorgen, dass man es zu allen Jahreszeiten gefahrlos benutzen kann. Sonst ist man eben bloß ein Schönwetter-Politiker!
Aber vielleicht passen auch die Radfahrer, neben den sozial Schwachen, den älteren Leuten und den Behinderten, nicht ins neue multiplicity-Leitbild der Stadt Luxemburg?
(Communiqué de presse vun de Stater Sozialisten)
1 Response to Fahrradfahren in Luxemburg-Stadt : ein bloßes Schönwetter-Vergnügen ?
Joël
januari 18th, 2011 at 11:27
Luxemburg-Stadt ist eine Großstadt? Das klingt ein wenig nach Größenwahn. Ich finde den Ansatz, den Sie hier andeuten, sehr gut: das Fahrrad als gleichberechtigtes Transportmittel in der Stadt. Leider verpassen Sie es, Lösungen zu präsentieren und nehmen das Thema, um gegen die regierenden Parteien in Luxemburg-Stadt zu wettern. Das klingt so, als sei jedes Mittel Recht, so lange es dazu dient, zu zeigen, dass man selbst in der Opposition ist. Vor allem der letzte Abschnitt als Generalrundumschlag hat einen schalen Beigeschmack. Immerhin verdeckt der ein klein wenig, dass Sie sich eigentlich nur darüber aufregen, dass noch Schnee auf den Fahrradwegen liegt, was nicht nach Großstadt- sondern eher nach Dorfpolitik klingt.
Das ist schade. Wo bleiben die “roten” Visionen für eine “grüne” Stadt?